Logo der Universität Wien

Kann Nemo sprechen?

Tiere, Pflanzen, Zellen

Stell dir vor, du schwimmst in einem See oder im Meer, und dann tauchst du ab – was hörst du? Stille! Und wenn du vor einem Aquarium stehst, ist es auch ziemlich still... Warum eigentlich? Haben sich Fische einfach nichts zu „sagen“? Oder sind Fische wirklich so stumm?

Sprechende Fische?

Clownfisch, Foto: cc mynameisharsha
Das Verhalten von Clownfischen ist sehr interessant, so sprechen wie Nemo können sie in Wirklichkeit nicht.

Kennst du den Clownfisch Nemo aus dem Film „Findet Nemo“? Im Film sprechen Nemo und seine Freunde wie wir Menschen. In Wirklichkeit sprechen Fische natürlich nicht in irgendwelchen Menschen-Worten miteinander. Wissenschafterinnen und Wissenschafter sagen, Fische kommunizieren akustisch. Das heißt, Fische machen Laute, die für andere Fische ein Zeichen (Signal) sind, und mit denen sie sich verständigen.
Fische sind also gar nicht so „stumm“, wie es in der Redensart („Stumm wie ein Fisch“) behauptet wird.

 

nach oben

Leise Fische, laute Fische und Fisch-Laute

„Knurrende Guramis“, „Knurrhähne“, „Krötenfische“, „Trommler“ oder „Grunzer“ - viele Fischarten können Laute erzeugen. Jetzt kannst du dir auch schon vorstellen, wie die Laute der Fische klingen: Manche hören sich wie ein Knurren, Knarren oder Trommeln an, andere wiederum wie ein Hupen oder Klicken.

Piranha, Foto: cc KinderbueroUniversitaetWien
Hier kannst du dir anhören, welche Laute Piranhas machen. Die Laute machen sie übrigens nicht mit den Zähnen, sondern mit einem Muskel an der Schwimmblase!

Der Grund dafür, warum du die Fische beim Schwimmen im See wahrscheinlich noch nie gehört hast ist, dass sie meist eher leise und zu weit weg sind. Manche Schallwellen sind außerdem für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar (z.B. Infraschall, Ultraschall). Wenn die Fischlaute in diesem Bereich (Frequenzbereicht) liegen, können wir sie nicht hören. Weiters wird der Schall an der Wasseroberfläche reflektiert und gelangt daher kaum an die Luft.

Das bedeutet, dass du beim Schwimmen, wenn deine Ohren zwar nahe am Wasser, aber oberhalb der Wasseroberfläche sind, du die Laute nicht hören kannst. Manche Fischlaute sind aber sogar so laut, dass man sie auch ohne Mikrofone und Verstärker hören kann, z.B. das „Bellen“ der Piranhas.

Viele Fische, aber auch andere Tiere, haben umgangssprachliche Namen. In der Wissenschaft ist es ganz wichtig, genau zu sein, genau zu unterscheiden, und genau zu wissen, über welche Tierart gesprochen wird. Deshalb wird ein eigenes System verwendet, bei dem jede Tierart einen lateinischen „Doppelnamen“ bekommt. Manchmal klingen diese wissenschaftlichen Namen lustig, und manchmal auch sehr kompliziert. Während wir im Alltag oft einfach von "Piranhas“ sprechen, unterscheiden WissenschafterInnen über 30 Arten wie Pygopristis denticulata, Serrasalmus compressus, Serrasalmus manueli, Pristobrycon careospinus..... und viele mehr.

 

 

 

nach oben

Bauchreden und Zähneknirschen

Kehlkopf, Foto: cc El Bibliomata
Für die menschliche Stimme sind der Kehlkopf mit den Stimmbändern sehr wichtig.

Wenn du sprichst, oder schreist oder pfeifst oder sonst einen Laut von dir gibst, so sind daran viele Teile deines Körpers beteiligt, z.B. Lippen, Zunge, Mund- und Rachenhöhle, Luftröhre und Kehlkopf, Stimmbänder, Zwerchfell....

Fische sind natürlich ganz anders gebaut als Menschen, sie haben zum Beispiel keinen Kehlkopf, und auch keine Stimmbänder. Dennoch können sie auf verschiedenste Weisen Laute erzeugen, meist mit der Schwimmblase oder mit den Brustflossen, und manchmal auch mit ihren Zähnen  - sie knirschen damit.

Knurrhahn, Foto: cc Roberto Pillon
Knurrhähne und Krötenfische...
Kroetenfisch, Foto: cc Erickson Smith
...“knurren” mit Hilfe ihrer Schwimmblase

Worüber man unter Fischen so „spricht“...

Fischgespräch, Foto: cc Rick Collier
Wann und in welchen Situationen Fische Laute produzieren ist für ForscherInnen eine spannende Frage.

Worüber Fische „sprechen“ oder besser gesagt: miteinander kommunizieren? Das ist gar nicht so einfach zu beantworten – aber gerade deshalb ist es für ForscherInnen eine interessante Frage. Um besser zu verstehen, was die Fischlaute bedeuten, beobachten WissenschafterInnen, in welchen Situationen Fische diese Laute erzeugen.

„Laut“ sind Fische z.B., wenn sie andere Fische bedrohen oder mit ihnen kämpfen, um ihre Reviere (das ist „ihr Zuhause“) anzuzeigen und zu verteidigen. Außerdem geben einige Fische Schrecklaute von sich, wenn sie gestresst werden. Das tun sie wahrscheinlich, um Angreifer oder Räuber zu vertreiben. Die Männchen vieler Fischarten versuchen mit ihren Lauten das Interesse der Weibchen zu wecken und sie anzulocken.

Im Film „Findet Nemo“ spricht der kleine Nemo viel mit seinem Vater. In Wirklichkeit kommunizieren Fische jedoch nicht akustisch mit ihren Eltern. Bei manchen Fischarten, deren Jungfische länger bei ihren Eltern bleiben, kommunizieren die Fische allderdings optisch mit Hilfe der Seitenlinie oder geruchlich miteinander.

Viele Wissenschaftsbereiche, wie z.B. die Meeresbiologie und  oder die Limnologie (Limnologie: Wissenschaft von den Binnengewässern) beschäftigen sich in ihrer Forschung unter anderem mit Fischen.

WissenschafterInnen, die sich ganz auf Fische spezialisiert haben, nennt man „IchthyologInnen“ (Ichthyologie kommt vom Griechischen und bedeutet Fischkunde; griechisch: ἰχθυς [ichthys] – „Fisch“, λόγος [logos] – „Lehre“)

Fische „ganz Ohr“

Bitte nicht klopfen, Foto: cc loop_oh
Ouch! Bitte nicht klopfen!

Um akustisch kommunizieren zu können (Laute einsetzen, um sich zu verständigen), müssen sie nicht nur diese Laute erzeugen können, sondern sie auch wahrnehmen, also: hören können.

Alle Fische haben Ohren, jedoch haben sie im Gegensatz zu uns Menschen keine Ohrmuscheln, die man sehen kann. Das Ohr der Fische befindet sich im Kopf über den Kiemen. Daher kann man es von außen nicht sehen. Viele Fische verwenden die Schwimmblase als Trommelfell.

Fische (z.B. Welse) hören im Wasser viel besser als wir Menschen, deshalb sollte nicht gegen die Scheibe des Aquariums geklopft werden.

Fisch mit deutlich sichbarer Seitenlinie, Foto: cc Mueller JoachimS
Bei diesem Fisch kannst du die Seitenlinie deutlich sehen

Fische haben außer Ohren ein weiteres wichtiges Organ zum Hören (Schallwellen wahrnehmen): das Seitenlinienorgan. Mit Hilfe des Seitenlinienorgans können Fische außer Schallwellen auch selbst ganz kleine Wasserbewegungen wahrnehmen. Es ist also eine Art „Fern-Tastsinn“, der den Fischen anzeigt, wo sich zum Beispiel gerade ein „Fischkollege“ aus dem Fischschwarm oder ein Beutetier befindet. Die Seitenlinie kannst du meist deutlich seitlich am Fischkörper erkennen.

Den ersten Beweis, dass Fische hören können, fand übrigens der österreichische Nobelpreisträger Karl von Frisch (er lebte von 1886 bis 1982). Er hat immer gepfiffen, wenn er seinen Zwergwels Xaverl gefüttert hat. Xaverl lernte rasch, auf den Pfiff zu reagieren um Futter zu finden. Später zeigte Karl von Frisch, dass Xaverl auch auf Pfiffe reagierte, wenn er kein Futter bekam. So konnte er nachweisen, dass ein Zwergwels auf einen simplen Ton, das Pfeifen, reagiert und somit hört.

nach oben

LEXIKON

reflektieren
Das Wort "reflektieren" kommt aus dem Lateinischen und heißt zurückbeugen, drehen. Reflektieren bedeutet das Zurückwerfen von Licht, Wärme oder Schall an einer Oberfläche.

kommunizieren
Das Wort „kommunizieren“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen; gemeinsam machen, vereinigen“. Bei Menschen meint kommunizieren den wechselseitigen Austausch von Gedanken, zum Beispiel durch Sprache, Gestik, Mimik, Schrift oder Bild. Bei Tieren meint kommunizieren das Übermitteln von Signalen.

akustisch
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet hören. Akustisch heißt den Hörsinn, das Hören betreffend. Es leitet sich von dem Wort Akustik her. Die Akustik ist die Lehre vom Schall.

Kehlkopf
Der Kehlkopf ist der oberste Teil der Luftröhre. Er besteht aus Knorpeln, innen ist er hohl.
Bei vielen Männern kannst du den Kehlkopf deutlich als „Adamsapfel“ erkennen.

Schwimmblase
Die meisten Knochenfische besitzen eine Schwimmblase; diese liegt zwischen Wirbelsäule und Darm und ist mit Gas gefüllt. Mit Hilfe der Schwimmblase können Fische fast bewegungslos im Wasser „schweben“, ohne dass sie sich dafür besonders „anstrengen“ müssten. Um im Wasser weiter aufzusteigen, füllen die Fische die Schwimmblase mit mehr Gas, z.B. indem sie Luft schlucken. Ist die Schwimmblase weniger gasgefüllt, sinken sie weiter nach unten.
Die Schwimmblase kann außer für dieses „Schweben und Sinken“ im Wasser (Austarieren) von einigen Fischarten aber auch verwendet werden, um Laute zu produzieren oder zu „hören“.
Knorpelfische wie z.B. Haie haben keine Schwimmblase. Um nicht abzusinken, bleiben sie deshalb ständig in Bewegung.

DasThema wurde auf Basis eines Skriptums von Ao.Univ.Prof. Dr. Friedrich Ladich, Departement für Verhaltensbiologie Universität Wien von der Webredaktion erstellt.