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Wer macht das Wissen?

Denken und Glauben

Weltweit gibt es heute etwa 10 Millionen Forscher und Forscherinnen. Und sie alle müssen sich an die gemeinsamen „Spielregeln“ für WissenschaftlerInnen halten: welche Fragen man stellt, wie man experimentiert, wie man die Erkenntnisse aufschreibt, usw. Hier erfährst du mehr über diese „Spielregeln“ und ihre Entwicklung.

Eine Reise zum Beginn

Unsere Reise beginnt vor etwas mehr als 400 Jahren, also ungefähr im Jahr 1600. Man könnte sagen, dass hier die Wissenschaft, so wie wir sie heute verstehen, beginnt. Und zwar mit einem sehr berühmten Wissenschafter: Galileo Galilei. Er lebte in Italien und hat Medizin studiert. Zu seiner Zeit hat es den Beruf Wissenschafter, wie wir ihn heute kennen, noch gar nicht gegeben. Er war der erste, der richtige Experimente und Beobachtungen durchführte. Er hat also über die Dinge, die ihn interessierten, nicht nur nachgedacht und seine Gedanken aufgeschrieben, sondern sich diese Dinge auch genau angeschaut und ausprobiert, wie sie funktionieren.
Die Geräte, die Galilei für die Forschung brauchte, konnte er aber nicht einfach kaufen. Er musste sie selbst entwickeln und bauen. Für seine Himmelsbeobachtungen konstruierte er zum Beispiel ein besonders gutes Fernrohr. Später nutzte er dieselbe Technik, um ein Mikroskop zu entwickeln. Galileo verdanken wir also zwei Geräte, die auch heute noch verwendet werden: das Teleskop, mit dem du sehr weit entfernte Himmelskörper, Sterne und Planeten beobachten kannst, und das Mikroskop, durch das du selbst winzig kleine Bestandteile der Natur sehen und genauer untersuchen kannst.

Apfel, Foto: cc Thomas Hawk

Wir setzen unser Reise im England des späten 17. Jahrhunderts fort. Dort lebte Sir Isaac Newton, ein der für seine zahlreichen wissenschaftlichen Entdeckungen berühmt ist. Er hat etwa die Existenz der Schwerkraft auf der Erde nachgewiesen. Man erzählt sich folgende Geschichte: Isaac Newton lag unter einem Baum in einer Wiese und plötzlich fiel ihm ein Apfel von diesem Baum auf den Kopf. Aua! Er fragte sich: Warum ist dieser Apfel vom Baum hinunter auf die Erde gefallen? Und da kam er auf die Idee, dass es wohl eine „Erdanziehungskraft“ geben muss. Ob die Geschichte wohl stimmt? Egal, sicher ist jedenfalls, dass Newton damit eine sehr wichtige Entdeckung gemacht hat.

Wenn wir Isaac Newton und Galileo Galilei vergleichen, dann sehen wir, dass sich in den Arbeitsmöglichkeiten der Wissenschaftler einiges verändert hat. Newton veröffentlichte seine Arbeiten in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die gab es zur Zeit Galileis noch nicht. Das half ihm seine Ergebnisse bekannt zu machen. Experimente gehörten jetzt schon langsam zum Alltag der Forschung.

Lexikon, Foto: cc mueritz

Wir reisen weiter in die Mitte des 18. Jahrhunderts. Inzwischen gab es sehr viel wissenschaftliches und technisches Wissen, das aber über viele Länder verstreut war. Da hatten zwei Franzosen mit den Namen Diderot (sprich „Didero“) und D’Alembert (sprich „Dalomber“) eine großartige Idee. Sie wollten all dieses zerstreute Wissen ordnen und in Bücher zusammenfassen, damit es alle Menschen lesen können. Sie schufen damit die erste Enzyklopädie. Diese hatte 26 Bände!

Und was ist mit ...?

Ist dir auf unserer Zeitreise etwas aufgefallen? Bisher ist uns keine einzige Frau begegnet! Der Grund dafür ist nicht etwa, dass es keine Frauen gab, die forschten. Es werden aber keine Geschichten über sie erzählt. Damit wurden Wissenschaftlerinnen gewissermaßen „unsichtbar“ gemacht. Frauen hatten lange Zeit weniger Rechte als Männer in der Gesellschaft und durften daher nicht selbständig forschen. Wissenschaftliches Arbeiten war ihnen nur dann möglich, wenn sie einen Vater, Bruder oder Ehemann hatten, mit dem sie mitarbeiten konnten. Ihre Leistungen wurden dann aber meist verschwiegen.

Berühmte Wissenschaftlerinnen waren zum Beispiel: Maria Winkelmann, die im 17. Jahrhundert lebte und forschte, und Caroline Herschel im 18. Jahrhundert. Beide waren Astronominnen. Maria Sibylla Merian war Biologin im 17. Jahrhundert. Eine weitere Biologin ist Barbara McClintock. Sie erhielt als eine der ganz wenigen Frauen 1983 den Nobelpreis für Medizin.

Marie Curie, Bildquelle: http://commons.wikimedia.org

Eine sehr bekannte Forscherin ist die Marie Curie. Sie wurde 1867 in Polen geboren. Zu dieser Zeit konnten Frauen in Polen noch nicht an der Universität studieren. Marie Curie ging mit Hilfe ihrer Familie nach Paris (Frankreich) und begann dort Physik und Chemie zu studieren. Sie wurde die erste Professorin an der Sorbonne, der ältesten Universität Frankreichs, und hat sogar zweimal den Nobelpreis für ihre Forschungen bekommen. Doch obwohl sie so erfolgreiche Experimente durchgeführt hat, durfte sie nie Mitglied der angesehenen französischen Akademie der Wissenschaften werden. Und das nur weil sie eine Frau war und nicht in Frankreich geboren war. 

Wie arbeiten WissenschafterInnen?

Schreibtisch, Foto: cc meguropolitan

Das Um und Auf in der Forschung sind gute Fragen! Für das Finden der spannenden Fragen ist der Austausch unter WissenschaftlerInnen und die Zusammenarbeit wichtig. Dadurch findet man heraus, ob andere die eigenen Interessen teilen und die eigenen Ideen für spannend und wichtig halten. Gleichzeitig muss man sehr viel über die Arbeit anderer lesen, um immer am Laufenden zu sein. Und WissenschaftlerInnen müssen der Gesellschaft – uns allen - zuhören, denn nur so können sie die Probleme der Menschen kennen lernen und vielleicht Lösungen dafür finden.
Bei all dem ist aber das Wichtigste, dass man neugierig sein muss und bereit, einfach etwas auszuprobieren. Denn sonst würden wir wohl kaum wirkliche Überraschungen erleben und unerwartete Entdeckungen machen.
Schließlich müssen Forscher und Forscherinnen Artikel über ihre Ergebnisse schreiben und in ihren speziellen Fachzeitschrift veröffentlichen. Denn in der Wissenschaft zählt Wissen nur dann, wenn es auch anderen mitgeteilt wird.

Ein gutes Rezept!

buntes Gericht, Foto: cc ginnerobot

Ein Rezept für zukünftige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (funktioniert in jedem Ofen anders)
 

  • 1 kg Wissensdurst
  • 100 g Fähigkeit gute Fragen zu stellen
  • 30 Unzen Einfallsreichtum bei der Suche nach Antworten
  • 280 g Geduld, 75 g Ausdauer und 5 kg harte Arbeit
  • 15 Deka Phantasie gemischt mit 15 Deka Genauigkeit
  • 7000 Pfund Bereitschaft zur Zusammenarbeit
  • 3 ½ kg Freude am Schreiben
  • 1 Teelöffel Reisebereitschaft
  • 10 Liter Lust am Lernen
  • 15 Liter Vergnügen am Lesen
  • 1 Prise Neugier
  • und ganz viel Spaß an der manchmal abenteuerlichen Reise durch die Wissenschaft!

LEXIKON

Enzyklopädie
Eine Enzyklopädie ist so etwas wie ein Lexikon. Sie versucht möglichst umfassend das menschliche Wissen zu versammeln.

Nobelpreis
Der Nobelpreis ist die größte Auszeichnung, die man in der Wissenschaft erhalten kann.

Fachzeitschrift
Fachzeitschrift richten sich an professionell interessierte LeserInnen. Das bedeutet, dass du schon einiges über das Fachgebiet wissen musst, um die darin veröffentlichten Artikel zu verstehen.

Das Thema wurde auf Basis eines Skriptums von Opens external link in new windowUniv.-Prof. Dr. Ulrike Felt,
Professorin der Wissenschaftsforschung, Institutsvorständin und Vizestudienprogrammleiterin der Soziologie von der Webredaktion erstellt.