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Wie lebt man in einer Oase?

Zusammen leben

Kannst du dir vorstellen in einer Oase mitten in einer Wüste zu leben? Zum Beispiel in der Oase Douz in Südtunesien, mit fast nur Sand um dich herum? Stell dir mal vor, was du an diesem besonderen Ort zum Leben alles brauchst. Wie würdest du wohnen? Welche Tiere und Pflanzen würde es geben?

Oase - ein Meer ohne Wasser?

Oase, Foto: cc archer10-(Dennis)
Eine Oase kann aus ein paar Palmen bestehen oder eine ganze Stadt sein.

Weit und breit nur Sand, und auf einmal ein grüner Fleck. So könnte man eine Oase beschreiben. Eine Oase kann entstehen, wenn irgendwo in der Wüste ein großes Grundwasservorkommen besteht. Dann können Menschen auch solchen in Trockengebieten überleben. An manchen Stellen tritt das Wasser in artesischen Brunnen an die Oberfläche. Also stimmt die Bezeichnung der Wüste als „Meer ohne Wasser“ nur dann, wenn man die Oase nicht mitdenkt. Ein Beispiel ist die Oase Douz (das spricht man „Dus“), in Südtunesien, am Rande der größten Trockenwüste der Erde, der Sahara. Douz gilt als „Tor zur Sahara“. Etwa 40.000 (vierzig Tausend) Menschen leben dort heute, das sind ungefähr so viele, wie in Wr. Neustadt oder in Steyr leben). 

Es gibt ganz verschiedene Arten von Wüsten, die man etwa danach einteilen kann, woraus sie bestehen. Vermutlich denkst du bei einer Wüste zuerst an Berge von Sand, aber es gibt auch Steinwüsten oder Kieswüsten. In einer Wüste herrscht tagsüber zwar brütende Hitze, in der Nacht jedoch nimmt die Temperatur um bis zu 30 Grad ab. Im Winter kann es sogar Minusgrade haben.

Steinwüste, Foto cc Manfred Lenz
Stein, Sand, Kies ... es gibt verschiedene Wüstenwarten

Wüstenschiffe – können die auch schwimmen?

Wenn du an die Wüste denkst, fällt dir vielleicht neben Sand und Hitze auch das Kamel ein. Das Kamel wird auch als Wüstenschiff bezeichnet, obwohl es doch gar nicht schwimmt. Den Spitznamen hat es wegen seinem schwankenden Gang. Wie ein Schiff durch die Wellen gleiten auch die Höcker der Kamele durch die Sanddünen.
Aber auch Schafe und Ziegen sind für das Leben in der Wüste wichtig. Sie liefern Milch, Wolle, Häute und natürlich Fleisch. Von der Ziegenmilch macht man Sauermilch und Butter. Von der Wolle des Schafes werden warme Kleidungsstücke für den Winter gewoben oder auch Teppiche und Decken. Vom Ziegenhaar werden Taschen und Teile für das Zelt gemacht. Kleidung stellt man aus Ziegenhaar jedoch nicht her, da es viel zu borstig ist.

Esel, Maultiere und Pferde kommen als Nutztiere zum Einsatz. In der Wüste gibt es allerdings auch gefährliche Tiere, wie zum Beispiel den Skorpion, die Horn- oder Sandviper. Diese Tiere sind giftig und ihr Biss oder Stich ist für den Menschen sehr gefährlich. Schau dir im Bild an, wie schwer man die Sandviper entdecken kann.

Sandviper, Foto: cc SurfGuard
Eine Sandviper ist perfekt getarnt. Nur wer sehr genau hinsieht, kann sie im Sand entdecken.

Kamele, Foto: cc archer10-(Dennis)
Kamele werden zum Reiten und Transportieren schwerer Gegenstände verwendet.

Wie viele Höcker? Wenn von Kamelen die Rede ist, kommen uns sofort zwei Höcker in den Sinn. Das stimmt aber nicht ganz, denn zur Familie der Kamele gehören neben dem Trampeltier auch noch das Dromedare, genauso wie das Lama. Dromedare haben nur einen Höcker, Trampeltiere zwei und Lamas gar keinen. Kamele haben sich sehr gut an das Leben in der Wüste angepasst. Sie können sehr lange ohne Wasser auskommen und dann mehr als 100 Liter in einer Viertelstunde trinken. In den Höckern befindet sich aber kein Wasser wie man lange glaubte sondern Fett, das als Energiereserve dient. Außerdem schützen Kamele ihre Augen bei einem Sandsturm durch ganz lange Wimpern und können die Nasenflügel ganz verschließen.   

Ein Hirte in der Wüste

Ziegenhirte, Foto: cc Ferdinand Reus
Ein guter Hirte kennt die Wüste genau und weiß wo es Wasser und gutes Futter gibt.

Ein ganz besonderer Beruf in der Wüste ist der des Hirten. Wer große Schaf- und Ziegenherden hat, bezahlt einen Hirten, der das ganze Jahr über mit den Tieren umherzieht und immer neue Plätze sucht, auf denen es gutes Futter gibt. Ein Hirte muss genau wissen, wo die Brunnen sind und sich gut orientieren können, denn für die Tiere ist das Wasser lebensnotwendig  und wer sich verirrt droht zu verdursten.
Kamelherden sind jedoch das ganze Jahr über ohne Hirten in der Wüste unterwegs und werden nur zur Geburtszeit der Kamelfohlen zusammengetrieben. Damit die BesitzerInnen ihre Kamele leicht wiederfinden, haben die Tiere ein Brandzeichen an der Hüfte.
In der Oase wird spezielles Futter für die Tiere gepflanzt. In den Palmengärten, werden aber auch allerlei Gemüse und Obstsorten gepflanzt, wie Wasser- und Zuckermelonen, Granatäpfel, Feigen, Tomaten, Gurken, Karotten, Zwiebel, Knoblauch oder auch Weizen. Weil es in Südtunesien sehr selten regnet, müssen die Grünflächen regelmäßig mit Wasser aus einem Brunnen bewässert werden. Da sich viele BäuerInnen einen Brunnen teilen, hat jeder Bauer z.B. nur einmal in der Woche den Brunnen für einen Tag zur Verfügung.

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Dattelpalme – die Königin unter den Pflanzen

Dattelplame, Foto: cc Joe-Shlabotnik
Eine Dattelplame wird bis zu 20 Meter hoch und über 100 Jahre alt.

Die Königin unter den Pflanzen in vielen Oasen ist die Dattelpalme. Ihre Frucht, die Dattel, ist wohl die beliebteste Süßigkeit unter den Kindern und auch den Erwachsenen in Douz. Sie wächst hoch oben in der Palme und ist neben Kuskus die wichtigste Nahrungsgrundlage.
Kinder lernen schon schon sehr früh auf eine Palme hinaufzuklettern. Die Buben müssen nämlich bei der Pflege und Ernte der Datteln, die im Herbst stattfindet, helfen. Auf einer einzigen Palme können im Jahr zwischen 50 und 150 Kilo Früchte wachsen. Aber nicht nur Datteln, auch viele andere Produkte können von einer Palme gewonnen werden: Palmensaft, der laagmi genannt wird, oder auch Dattelöl und Palmwein. Die Kinder spielen außerdem liebend gerne mit den Dattelkernen oder den Palmwedeln, auf denen sie wie auf Pferden reiten.

 

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LEXIKON

artesischer Brunnen
Ein artesischer Brunnen ist eine natürliche Wasserstelle. Das Wasser steigt durch einen Überdruck des Grundwassers selbst auf, ohne dass man es herauspumpen muss. Weil aber sehr viel Wasser verbraucht wird, sind diese Quellen fast ganz versiegt.

Kuskus
Kuskus ist das Nationalgericht von Tunesien. Es ist eine Speise aus Hartweizengrieß, die mit Gemüse und meistens Schaffleisch ergänzt wird.

Nutztiere
Es gibt Reittiere und Nutztiere (oder auch Lasttiere). Das heißt, dass man die Tiere entweder dazu verwendet, um auf ihnen zu reiten, oder um sie zum Beispiel mit Essen, Wasser, Kleidung, Zelten zu beladen.

Trockenwüste
In der Trockenwüste ist es deshalb so trocken, weil die Sonne hier extrem stark scheint und so besonders viel Wasser verdunstet.

Das Thema wurde auf Basis eines Skriptums von Opens external link in new windowVeronika Ritt-Benmimoun, Institut für Orientalistik Universität Wien von der Webredaktion erstellt.