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Wie lebte man im Alten China?

Geschichte

Wir machen eine Reise  – nicht nur weit weg in ein fernes Land, sondern auch auf eine Reise in die Vergangenheit. Wir besuchen China, das „Reich der Mitte“. China ist ein riesiges Land im Osten Asiens. Du kannst hier einen kleinen Einblick in das Leben im Alten China bekommen – also in das China bis 1911. Das ist das Jahr, in dem der letzte Kaiser abdanken musste und der Staat eine Republik wurde. An Stelle des Kaisers regierte dann ein Präsident, der vom Volk gewählt wurde.

Was war das „Alte China“?

China war und ist ein riesiges Land. Heute ist China der viertgrößte Staat der Erde mit einer Fläche von 9.572.395 Quadratkilometern. Auf die Fläche passt
-    Großbritannien mehr als 39 Mal
-    Österreich mehr als 100 Mal
-    Malta mehr als 30.000 Mal
Zwei große Ströme beherrschen das Land und machen es fruchtbar: der Huanghe (der „Gelbe Fluss“) und der Yangzi (der „Blaue Fluss“), der auch Changjiang („der lange Fluss“) genannt wird. Die Bevölkerung des Landes war so zahlreich, dass viele kleine Staaten nebeneinander entstanden waren, die einander immer wieder bekämpften. Im Jahr 221 vor Christus wurden diese Einzelstaaten zum ersten Mal geeint. Qin Shihuangdi wurde der erste Kaiser Chinas. Die von ihm begründete Dynastie war die Qin-Dynastie, die nur wenige Jahre bestand. Seit damals werden die Epochen nach der jeweiligen Dynastie benannt.

Chinesische Schriftzeichen, Quelle: http://www.culture-4-travel.com/why-is-china-called-china.html
Auf Chinesisch heißt China Zhonggou und so wird es geschrieben.

Rund um die Entdeckung des Tees gibt es viele verschiedene Legenden. Eine davon erzählt, dass der Tee durch Zufall entdeckt wurde: Der chinesische Kaiser Shennong (2737 v. Chr.) war sehr auf Sauberkeit bedacht und hat immer sein Trinkwasser abgekocht, damit er gesund bleibt. Eines Tages wehte der Wind einige Blätter von einem Strauch in den Kessel mit kochendem Wasser, diese färbten es golden und verliehen ihm ein angenehmes Aroma. Der Kaiser probierte das Getränk und fühlte sich erfrischt. Tee wurde anschließend das Getränk im "Reich der Mitte" – zumindest für wohlhabende Menschen. Jene, die sich keinen Tee leisten konnten, tranken heißes Wasser.
Nach Europa kam der Tee erst spät. Um 1610 brachten niederländische Schiffe erstmals Tee nach Europa. Es dauerte aber noch einige Zeit, bis Tee auch bei uns populär wurde.
Heute kommt Tee aus vielen Ländern – aber egal, woher der Tee in deiner Tasse kommt, der Teestrauch stammt ursprünglich aus China. So ist ein kleines Stück China Teil unseres Lebens geworden.

Gebäude im „Alten China“

Chinesisches Bauwerk, Foto: cc IceNineJon

Im Alten China sollte jede Stadt, jede Palastanlage, jeder Tempel, jedes Wohnhaus die Ordnung der Welt abbilden. Dabei überwiegt das Viereck – denn so stellte man sich die Gestalt der Erde vor. Umgeben ist diese viereckige Erde vom Himmel, den man sich als vollkommen runden Kreis vorstellte. Die Grundform chinesischer Häuser sind rechteckige Hallen. Die Grundkonstruktion bildeten dicke Holzbalken an den Ecken, die auch das Dach trugen. Die Zimmerleute arbeiteten so genau, dass auch die größten Gebäude als Holzkonstruktionen ohne Nägel gebaut werden konnten. Im Gegensatz zu den viereckigen Hausformen waren die Dächer sanft geschwungen
Städte waren zumeist streng geometrisch angelegt: Alle Straßen verliefen entweder in Nord-Süd-Richtung oder in Ost-West-Richtung, sodass man sich leicht orientieren konnte. Reiche Leute hatten sehr große Wohnpaläste, die prunkvoll gestaltet waren. Von außen war das aber kaum zu erkennen, denn die Anlagen waren mit einfachen, schmucklosen Mauern umgeben.

Wissenschaft und Technik

Leinenfasern zur Herstellung von Papier, Foto: cc Elke Wetzig (elya)

Wissenschaft und Technik waren in China sehr hoch entwickelt. Wasserkraft, Zahnrad, Armbrust und Schießpulver waren schon früh bekannt. Und lange bevor in Europa auch nur daran gedacht wurde, waren in China das Papier, der Kompass, das Porzellan und der Buchdruck erfunden.
Der Überlieferung nach wurde das Papier von Cai Lun (gestorben 114 n. Chr.) erfunden. Er soll Papier aus Fischernetzen und Leinen hergestellt haben. In China wurde Papier aus Bambusmark, aus Baumwolle, Hanf und Reismehl hergestellt. Papier wurde nicht nur verwendet, um darauf zu schreiben oder zu malen, in dickeren Lagen wurde es auch in Fenstern verwendet.
Um die Zeit zu messen, benutzte man Wasseruhren. Diese Uhren bestanden aus treppenförmig übereinander angebrachten Gefäßen. Das Wasser floss jeweils in einer bestimmten Zeit vom obersten Behälter in den Behälter darunter und von diesem wieder in den darunter liegenden Behälter und so weiter. Wollte man die Zeit genau bestimmen, tauchte man einen Messstab ein.
Diese Uhren wurden erstmals im 1. Jahrhundert vor Christus in Büchern beschrieben.

Religion und Glaube

Löwenstatue, Foto: cc yeowatzup

In China gab es mehrere Religionen. Die drei größten waren Daoismus, Konfuzianismus und Buddhismus. Das sind auch heute noch die drei wichtigsten Religionen in China. Neben den großen Tempeln hatte auch jedes Haus einen kleinen Schrein oder einen eigenen Tempel, in dem die Ahnentafeln aufgestellt waren. Das Leben nach dem Tod stellte man sich ähnlich wie das Leben auf der Erde vor. Deshalb brachte man den Verstorbenen Opfer dar, denn man glaubte, dass sie die Opfergaben für ein gutes Leben nach dem Tod brauchen.
Die Menschen versuchten sich mit feng shui vor der Kraft der bösen Geister zu schützen. Symbolische Wächter sollten das Böse abwehren – dazu gehörten zum Beispiel steinerne Löwenfiguren.
Der Kaiser war eine Art Verbindung zwischen dem Himmel und den Menschen auf der Erde. Er flehte die Götter um Schutz vor Überschwemmungen und Dürren an. Kam es dann zu Naturkatastrophen und Hungersnöten, warf man dem Kaiser vor, er hätte seine Pflichten vernachlässigt.

LEXIKON

Buddhismus

Der Buddhismus ist außerhalb Chinas, in Indien, entstanden und kam im 1. Jahrhundert nach Christus nach China. Höchstes Ziel der Buddhisten ist es, durch Meditation Erleuchtung zu erlangen und dadurch dem unendlichen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt zu entgehen.

Daoismus

Laozi begründete im 6. Jahrhundert vor Christus die Philosophie des Daoismus. Der Begriff ist abgeleitet vom chinesischen Wort dao, das „Weg“ bedeutet. Laozi wollte Harmonie in allen Dingen erreichen. Dargestellt wurde diese Harmonie durch die Vereinigung von Ordnung und Chaos, von Licht und Dunkelheit, von Himmel und Erde, von Männlichem und Weichlichen im Yin-Yang-Symbol.

Dynastie

Dynastie (von griechisch: dynástes = Herrscher) ist die Bezeichnung für eine Folge von Herrschern/Herrscherinnen und ihrer Familien. Ursprünglich beschreibt „Dynastie“ ein Herrschergeschlecht, dem es gelungen ist, über einen längeren Zeitraum an der Regierung zu bleiben.

Feng shui

Feng shui heißt wörtlich „Wind und Wasser“ und ist ein System, um Bauvorhaben und Wohnräume harmonisch zu gestalten. Die Raumgestaltung folgt bestimmten Regeln, die sicher stellen sollen, dass die Energie (das „qi“) frei fließen kann.

Konfuzianismus

Konfuzius (551-479 v. Chr.) wollte die Ordnung der Welt auf die Grundlage von genauen Regeln stellen. Jeder Mensch sollte einen festen Platz in der Familie haben. Aus der Ordnung in der Familie würde Ordnung im Dorf oder in der Stadt entstehen. Daraus wiederum Ordnung in der Provinz und daraus Ordnung im Staat und schließlich Ordnung in der ganzen Welt.
Konfuzius ist die von den EuropäerInnen verwendete Form des Namens, die ChinesInnen sagen Kongzi.

LINKTIPP

mehr über die Geschichte Chinas erfahren: 

Opens external link in new windowhttp://www.helles-koepfchen.de/artikel/2671.html

Das Thema wurde auf Basis eines Skriptums von Opens external link in new windowMonika Lehner vom Institut für Ostasienwissenschaften/Sinologie, Universität Wien von der Webredaktion erstellt.